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  • Heinrich Witt

    Das Tagebuch | Tagebuch

    2. Januar 2015 | Kommentare deaktiviert

    Erste Seite Band 1

    Die erste Seite des ersten Bandes

    Bereits in seiner Kindheit und Jugend hatte Witt Anläufe zum Führen eines Tagebuchs unternommen. Ab 1820 notierte er schließlich regelmäßig und, von wenigen Unterbrechungen abgesehen, während seines ganzen Lebens beinahe täglich Erlebnisse, Handlungen und Gedanken. Diese Aufzeichnungen bildeten die Grundlage für ein neues, d.h. überarbeitetes und (Witts Meinung nach) verbessertes Tagebuch, mit dem er 1859 begann. Zu dieser Zeit schrieb Witt aufgrund einer Augenkrankheit bereits nicht mehr selbst. Vielmehr diktierte er seinem Sekretär sowohl das „neue“ Tagebuch als auch seine „alten“, „originalen“ Aufzeichnungen, die er parallel fortführte. Sie gingen zu gegebener Zeit in das neue Tagebuch ein. Dieses neue Tagebuch, das Witt ab 1859 diktierte, ist zu großen Teilen bis heute überliefert. Bei Witts Tod 1892 umfasste es dreizehn Bände mit zusammen vermutlich mehr als 10.000 Seiten Text. Witts ausdrücklichem Wunsch entsprechend haben seine Erben das Tagebuch aufbewahrt. Im Familienbesitz erhalten sind zehn Bände. Es fehlen die Bände 10 bis 12, die den Zeitraum von Mitte Mai 1881 bis Ende Oktober 1886 abdecken. Der 5. und 13. Band des Tagebuchs sind zudem nur unvollständig überliefert. Insgesamt sind etwa drei Viertel des ursprünglichen Tagebuchs erhalten, also ca. 8500 eng beschriebene Seiten. Mit Ausnahme des zehnten Bandes enthalten alle überlieferten Bände Anhänge (Briefe, Zeichnungen, Zeitungsausschnitte), die insgesamt ca. 400 Seiten ausmachen. In Lateinamerika ist kein ähnlich umfangreiches privates Tagebuch aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Schließlich sind auch zwei Bände der früheren, von Witt noch selbst geschriebenen Aufzeichnungen überliefert. Auf zusammen etwa 700 Seiten enthalten sie Schilderungen einer der Europareisen Witts (1843-1845). Heinrich Witt schildert in seinem Tagebuch sein Leben nahezu fortlaufend von seiner Kindheit in Altona bis ins hohe Alter. Die Chronologie der Lebensbeschreibung ist nur an wenigen Stellen durchbrochen, wobei Witt die Ursachen für diese Brüche, wie z.B. seine Augenkrankheit, stets im Tagebuch selbst erläutert. Im 13. Band bricht der überlieferte Text bei der Schilderung des 29. Dezembers 1890 ab, doch ist anzunehmen, dass Witt das Tagebuch über dieses Datum hinaus fortführte. Der größte Teil des Textes ist in klassischer Tagebuchform gehalten, mit datierten Beschreibungen der Ereignisse einzelner Tage bzw. kürzerer Zeitabschnitte. Aus Witts zum Teil äußerst detaillierten Schilderungen entsteht ein facettenreiches Panorama des Lebens eines wohlhabenden Europäers im Lima des 19 Jahrhunderts. Der Text behandelt nicht nur die Geschäfte des Kaufmanns Witt, sondern auch die Regeln des gesellschaftlichen Verkehrs, Kleidungsfragen, Krankheiten, Ernährungsgewohnheiten und viele andere Bereiche des Alltagslebens – eine gehörige Portion Gerüchte und Klatsch eingeschlossen. Witts Darstellung geht an vielen Stellen über die Beschreibung seines im engeren Sinne eigenen Lebens hinaus. Insbesondere enthalten die zehn Bände eine Fülle von Informationen über die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Geschichte Perus im 19. Jahrhundert, die Witts Tagebuch zu einer wertvollen Quelle für die peruanische Geschichtsschreibung machen. Aber auch Altona und Hamburg, London und Paris, Deutschland, Europa und weitere Weltgegenden sind im Text durchgängig präsent. Zum einen reiste Witt durch mehrere deutsche und europäische Länder und 1845 sogar in das erst wenige Jahre zuvor von Frankreich eroberte Algerien. Zum anderen thematisiert Witt in seinem Tagebuch immer wieder die kleinen und großen Veränderungen der Welt im 19. Jahrhundert, von denen er aus Zeitungen und Büchern ebenso erfuhr wie aus seiner umfangreichen Korrespondenz mit Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern in Europa und anderen Teilen Amerikas, in Australien und Asien. Diese „Globalität“ findet sich auch in der Sprache, in der das Tagebuch geschrieben ist. Bereits 1824 gab Witt Deutsch als Tagebuchsprache auf und wechselte zum Englischen. Als er 1859 begann, seine „alten“ Tagebücher in korrigierter Form neu zu verfassen, blieb er beim Englischen, so dass die zehn für die Nachwelt bestimmten Bände auf Englisch vorliegen, während die zwei als Gedächtnisstütze verfasste Tagebücher aus den 1840er Jahren in Spanisch verfasst wurden. Sie sind entgegen der ursprünglichen Planung ebenfalls erhalten geblieben. In den englischen Text der zehn überlieferten Bände der Endfassung sind eine Vielzahl von Ausdrücken, Zitaten und gelegentlich auch kürzeren Passagen in anderen Sprachen eingestreut. So stößt der Leser auf Latein, Deutsch, Französisch, Italienisch und vor allem Spanisch – die Sprache, die Witt in seinem alltäglichen Leben in Lima am häufigsten sprach.